der mensch ist allein

 

 

 

Kloster Abtei Münsterschwarzach

Kloster Abtei Münsterschwarzach

 


 

Weil ich frei bin (von Gott her so gemeint), ist mein Handeln von mir persönlich gefordert. Ich bin gefordert, Entscheidungen zu treffen. Dass macht meine Würde aber erst gerade aus, das ich wirklich Individuum bin und dass es in meiner unmittelbaren Umgebung gerade auf meine Entscheidung ankommt, ob etwas stehen bleibt oder fällt. Mit meinen Entscheidungen stehe ich immer alleine da. Aber gerade dadurch empfinde ich die Wichtigkeit meiner Person. Deswegen empfinde ich es gerade als ein Geschenk, einem Menschen zu begegnen, der dieselbe Intention hat. Das Schöne daran ist, man bleibt zwar immer noch Individuum, man steht immer noch alleine da, mit seinem Tod, den man immer noch alleine sterben muss, aber gerade durch den anderen löst sich die Einsamkeit auf. Ich bin allein, aber nicht einsam. Das Alleinsein ist immer gut für mich, um mir über die verschiedensten Dinge im Klaren zu werden. Und das Teilen dieser Gedanken mit einem anderen, einem Gegenüber, nimmt mir alle Ängste vor dem Nicht-gewollt-sein und dem Verlassen-sein. Dieses Gegenüber, oder Du, ist nicht an einen Menschen allein gebunden, sondern für mich ist es auch das Gebundensein an Gott- existentiell. Denn was macht man, wenn man z.B. keine Familie und Freunde hat, oder wenn alle gegen einen sind obwohl man weiß, dass z.B. ein bestimmter Lebensstil für einen selbst richtig ist? Ich spüre ja die Gewissheit in mir, dass es für mich unerschütterlich richtig ist, so oder anders zu denken und zu leben – je nach Thema, Veranlagung oder Interesse. Sobald mich ein Gefühl überkommt, des Unzufrieden- oder Unglücklichseins, weiß ich für mich, dass eine Sache/Situation zunächst einmal für mich nicht richtig ist. Dann weiß ich sogar für mich, dass sie falsch ist, und keine Instanz der Welt kann daran irgendetwas ändern.

Ja selbst Gott kann daran nichts ändern. Und selbst wenn er es könnte, würde er es nicht tun – so sehr nimmt er uns ernst. Vielleicht bin ich trotzdem gerade deswegen gut so. Und es kann nicht passieren, dass ich mich wohl dabei fühle, wenn irgendeine Haltung in mir anderen schadet.


Meine Wahrheit hat nie negative Auswirkungen auf andere –sonst wäre sie nicht wahr. Aber gerade durch diese Gedanken relativiert sich das Alleinsein, gerade deswegen finde ich das Alleinsein schön. Ich weiß, wer ich bin. Und weil ich das über mich so weiß und denke, kann ich auch andere Menschen so lassen, wenn sie ihre eigene Wahrheit leben, auch wenn sie mit meiner Meinung nicht übereinstimmen. Ich sehe aber da die Schönheit des Individuums beim anderen, gerade dadurch. Wir sind zwar alle Individuen, aber zugleich sind wir alle Facetten Gottes. Je mehr ich durch mich erkenne, desto mehr erkenne ich auch den anderen. Wie kann man sich dann einsam fühlen? Dadurch erkenne ich, wie sehr uns Gott alle liebt.

 

 

Würdevoller Mann mit Bart
© margo_black / Shotshop.com



Wer sich selbst nicht gefunden hat und sich selbst nicht schätzen gelernt hat, der kann dann nicht wirklich etwas geben, er kann nichts von Gott mitteilen. Er kann mir nicht das geben, wofür er gedacht ist. Er ist gemacht, damit ich nicht allein sei, wie geschrieben steht. Nicht zu meiner Ganzheit, sprich "um ganz zu werden" brauche ich den anderen, sondern um zu erkennen, wie sehr Gott uns liebt, um zu erkennen, dass wir nicht verlassen sind.

Wir brauchen das ganzheitliche Du in der Person Jesu Christi, um zu erkennen, wie wir gemeint sind; und dass wir letztendlich nicht allein und einsam sind. Und erst dann ist es möglich auch für den anderen sogar zu sterben. Selbst dann sind wir in unserem Tod nicht einsam.


Menschen untereinander, spüren in der Regel ihre Einsamkeit. Wenn der Mensch aber zur Klarheit und Ganzheit gelangt, wird er facettenreich und gerade deswegen wird er mir alles sein können und ich für ihn, das heißt wir werden uns als Einheit empfinden und von Einsamkeit kann nicht mehr die Rede sein. Der ganzheitliche Mensch ist der Spiegel Gottes. Gott ist dann durch den anderen für uns da. Sichtbar, fühlbar. Sonst hätte Christus uns nicht zugesagt, dass Gott immer durch den anderen bei uns ist und Christus hat das nur denen gesagt, die zu ihm gehören. Die Schwäche des anderen ist dann aber kein Hindernis, dass Gott trotzdem zu uns sprechen kann.

 

 

 

Nichts erquickt den Geist so sehr als treue Freundschaft.
(Seneca)



Glauben heißt vertrauen, dass ich nie allein bin.
(Anselm Grün)


 

Manche Leute sind einsam,
weil sie Mauern und keine Brücken bauen.
(Unbekannt)

 

Menschen brauchen Geselligkeit und Einsamkeit, um innerlich gesund zu bleiben.
Eins allein wird uns immer krank machen.
(Wilhelm von Kügelen)

 

Freunde hat nur, wer sie nicht braucht.
(Hans Reimann)

 

Die Gedanken sind es,
die das Leben des Menschen glücklich oder unglücklich machen.
(Marc Aurel)



Wir hoffen immer,
und in allen Dingen ist besser Hoffen als verzweifeln.
(Johann Wolfgang von Goethe)


 

Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit den anderen Menschen,
und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form
eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt.
(Dietrich Bonhoeffer)


 

Verlass von Zeit zu Zeit die Menschen,
such die Einsamkeit,
um im Schweigen und anhaltenden Gebet
deine Seele zu erneuern.
(Carlo Carretto)

 

Der Herr kommt täglich zu uns.
Er kommt in den Menschen zu uns,
denen wir begegnen.
(Anselm Grün)

 

Für jeden von uns gibt es letztendlich nur zwei Dinge in der ganzen Welt:
Er selbst und Gott.
(Kardinal John Henry Newman)

 

 

 

 

 

Vielen Dank für das Bild "Abtei Münsterschwarzach":
© Ulrich Grasberger  / pixelio.de



 

 



Dezember 2017:


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