annahme hingabe


 

Annahme und Hingabe Abstrakt

 

 

Annahme setzt die Erkenntnis voraus, dass man nichts dagegen tun kann, das die Sonne heute Abend wieder untergehen wird. Man akzeptiert, dass es ein Tatbestand des Lebens ist, das es Unvermeidlichkeiten gibt, denen man sich unausweichlich stellen muss. So schrecklich sich dies jetzt anhören muss, so zwangsläufig ist es aber auch, dass man dadurch zu wirklichen Lösungen findet. Statt es mir mein Leben lang schwer zu machen, weil ich nicht akzeptieren kann, dass ich durch einen Unfall beispielsweise, einen Arm oder ein Bein verloren habe, so sollte ich mich doch lieber damit auseinandersetzen, was für Möglichkeiten mir noch zur Verfügung stehen.


Manchmal ergeben sich durch das Unvermeidliche und dessen Annahme, Perspektiven und Möglichkeiten, die sonst der Sichtbarkeit der Augen verborgen geblieben wären. Ein vermeintliches Unglück kann zu unserem persönlichen Glück beitragen. Ein Flugzeugabsturz, den ich beispielsweise überlebt habe, trägt schon das Glück in sich, dass ich überlebt habe. Ein weiteres Beispiel: Kinder, die in Gefangenschaft gehalten wurden und unsägliche Leiden über sich ergehen lassen mussten und mit ihrem Leben abgeschlossen hatten, wurden dadurch befreit, dass eine Bombe bei einem Angriff versehentlich ihr Gefängnis traf und ein großes Loch in die Wand riss. Zivilisten, aber auch ihre Schächer wurden getötet, die Kinder konnten sich aber glücklicherweise befreien. So wie des einen Glück, des anderen Leid bedeuten kann, kann des einen Leid dem anderen Glück bedeuten. Es geht mir nicht um die Verherrlichung von Unglück und Leid sondern den Tatbestand, dass aus allem Leid Gutes erwachsen kann, selbst wenn uns das Glück dabei verborgen bleiben sollte.


Leidvermeidung beschert uns oft das größte Unglück, weil wir unbewusst so sehr darauf fixiert sind angstlos leben zu wollen und nehmen Chancen nicht wahr, die uns unseren Wünschen näher bringen könnten, weil man es weniger wagt Risiken einzugehen und sich damit die Chance nimmt, auch wahres Glück zu erfahren.




Jesus Christus - Die Auferstehung
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Ich bin zwar jedem Unglück so gut ich es konnte ausgewichen in meinem Leben, habe zwar keinen Kratzer an meinem Leib, empfinde aber irgendeine unfüllbare Leere in mir, weil ich durch meine Leidvermeidung auch Glück vermieden habe, ihm die Chance genommen habe, sich mir zu offenbaren. Im ersten Augenblick bejahen wir es oder beneiden es möglicherweise auch, wenn wir von Menschen hören, die wohlbehütet (von der Welt) aufgewachsen sind. Ihnen fehlte es zwar nicht an materiellen Gütern, aber wir denken nicht darüber nach, dass diese Menschen meist mit unvorhergesehenen tragischen Ereignissen nicht nur nicht umzugehen wissen und davonlaufen, ja sie gar schweren Schaden an ihrer Seele nehmen wenn ihnen eins widerfährt, weil es Unglück in ihrem Leben gar nicht geben durfte. Neurosen oder gar Traumata sind meist dann die Folge.


Hingabe an Unvermeidliches ist unvermeidlich, wenn man nicht vermeiden will, dass man an beiden Seiten -Gutes und Schlechtes- reifen kann. Wer nicht Salziges kennt, weiß nicht was süß ist, obwohl er es hat – schmeckt es ihm nicht süß sondern fad. Was bedeutet Hingabe? Und warum ist sie für uns so wichtig? Zunächst einmal bedeutet Leiden doch immer eine Kraft oder Wirkung von außen, die sich dem entgegensetzt, was wir denken und wollen. Nötigt uns beispielsweise jemand, so richten wir uns oftmals auf unser eigenes Unwohlempfinden und übersehen in der Nötigung des anderen, seine Not. Was bedeutet in diesem Zusammenhang nun Hingabe? Einen Felsen, der vom Berg herunterrollt, kann man nicht aufhalten, indem man sich vor ihm stellt. Man muss beiseitetreten und ihn so lange rollen lassen, bis er selbst zum stehen, „erliegen“ kommt. Hingabe bedeutet nicht, dass man sich überrollen lässt sondern das man zunächst einmal geschehen lässt. Die Wucht des Felsens wirkt nur zerstörerisch, wenn ich ihn aufzuhalten versuche. Ich nehme ihm aber alle Kraft, in dem ich ihn erst mal ausrollen lasse. Hingabe bedeutet nicht, dass ich immer damit rechnen muss, das mich plötzlich ein herabrollender Felsen überrascht. Nachdem ich mich darauf einstellen kann, kann ich Vorbereitungen treffen. Ich kann versuchen den Felsen festzumachen, ich kann mich aber auch an einem ganz anderen Ort niederlassen oder ich kann die Möglichkeit nutzen, aus den herabgerollten Steinen Burgen zu bauen. Hingabe an Unvermeidbares ist demnach nur möglich, wenn man an seinen positiven Inhalt glaubt.

 

 

 

Gottes Liebe bewahrt nicht vor allem Leid.
Sie bewahrt aber in allem Leid.
(Hans Küng)

 

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.
(Dietrich Bonhoeffer)

 

Auch wenn ich falle, meint Gott es gut mit mir.
Er fängt mich auf und lehrt mich,

was mich wirklich trägt.
(Pater Anselm Grün)

 

Freu dich, denn Gott hat dich so in der Hand,
daß du dich in keiner Weise auf die eigene Sicherheit zu stützen brauchst.
(Hildegard von Bingen)

 

Sich am Glück erfreuen heißt das Unglück einladen. Wahres Glück entsteht aus Kummer und Leid.
(Mahatma Gandhi)

 

Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,
Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.
(Wilhelm Busch)

 

Wir werden Opfer des Leides, wenn wir Es als negativ oder abnormal betrachten: Glück ist nur dann möglich,
wenn selbst das, was wir als Leid ansehen, uns nicht unglücklich macht. Die Erkenntnis dessen macht uns
fähig, uns davon zu befreien!
(Autor unbekannt)


 

Die nützlichsten Erfahrungen, die man macht, sind die schlechtesten.
(Thornton Wilder)

 

Wir denken selten bei dem Licht an Finsternis,
beim Glück ans Elend,
bei der Zufriedenheit an Schmerz -
aber umgekehrt jederzeit.
(Immanuel Kant)

 

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Friedrich Oetinger)

 

Gott will immer unser Bestes - und wir unser Liebstes;
oft müssen wir das Liebste opfern,
um das Beste erhalten zu können.
(P. Paschalis)


 

Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen.
Aber man sollte auch dafür sorgen, dass sie so kommen,
wie man sie nehmen möchte.
(Curt Goetz)



Das ganze Unglück der Menschen rührt aus einem einzigen Umstand her, nämlich,
dass sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.
(Blaise Pascal)

 

Des Menschen Glück ist es nicht,
dem Leid zu entfliehen,
sondern Gottes Freundschaft zu erleben.
(Olaf Gerber)


 

Wenn das Glück uns entgegenkommt,
trägt es fast nie das Gewand,
in der wir es erwarten.

(Madame Amiel-Lapeyre)
 


Töricht haschen wir auf Erden
nach des Glückes Irrlichtschein;
wer sich quält, beglückt zu werden,
hat die Zeit nicht, es zu sein.
(Nikolaus Lenau)




Der Seemann betet nicht um Wind,
er lernt segeln.
(Gustaf Lindborg)

 

 

 

 

 

 

 


 

Liebe heißt Vertrauen
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Desweiteren gibt es auch die Hingabe an ein Objekt, eine Sache, einen Gegenstand(Hobby), oder auch die für uns weit bedeutendere Hingabe an ein Subjekt, ein Individuum, einen Menschen, über die ich hier jetzt eingehender sprechen möchte.

Die Voraussetzung mich hinzugeben ist zuerst einmal, die eigene Wahrnehmungs- und Liebesfähigkeit. Ich nehme z.B. den anderen als Individuum wahr und damit seine Würde, sein Wesen, seinen Charakter, seine Gefühle und seine Begabungen und Anlagen. Als zweites dann meine feste Überzeugung von diesem Menschen, nämlich von dessen Glaubwürdig- oder Zuverlässigkeit. Als drittes dann mein Vertrauen zu diesem Gegenüber, dass immer nur auf der Basis eines berechtigten Misstrauens entstehen kann, denn es ist nicht sicher, das dieser mit der selben Intention auf mich zu geht, oder das selbe Interesse an mir hat und schon gar nicht, dass meine Gefühle von ihm erwidert werden.

Ich gebe mich also in vollem Vertrauen vorbehaltlos jemandem hin, von dem ich überzeugt bin, dass dieser mein Vertrauen nicht missbrauchen oder ausnutzen wird. Er ist es mir Wert, dass ich mich ihm vorbehaltlos öffne und es wage, mich sogar widerstandslos fallen zu lassen. Ich mache mich dadurch verletzbar, denn ich bin meinem Gegenüber im Moment meines bedingungslosen Vertrauens, schutzlos ausgeliefert, weil ich ihm auf diese Weise auch Macht über mich gebe. Dennoch verliere ich meine eigene Würde, meinen eigenen Wert und meine Eigenheit nicht aus den Augen.

Echte Liebe zu schenken ist mir nur dann möglich, wenn ich auch auf mich selber Acht gebe und mich selbst nicht aus den Augen verliere. Würde ich es doch tun, wäre meine anscheinende Hingabe nichts anderes, als eine Art Bedürfnisbefriedigung, ja sogar ein emotionaler Erpressugsversuch. Ich erwarte dann nämlich, dass das "Subjekt meiner Begierde" sich mir verpflichtet fühlt, dass er sich mir genauso vorbehaltlos hingibt und mir sein Vertrauen schenkt. Ich möchte das dieser sich an mich bindet und mir ebenso treu ergeben ist, weil ich auch für ihn dies zu tun bereit bin. Ich möchte mit ihm sozusagen einen virtuellen Vertrag aushandeln, der mit echter Liebe aber nichts mehr zu tun hat.

Wenn ich aber gut mit mir selbst umgehe, ist es mir auch möglich, gut mit dem anderen umzugehen. Ich werde ihn als Individuum sehen und schon allein deshalb achten. Ganz besonders seine Begrenzungen und Möglichkeiten. Auch sein Geheimnis und seine Liebe werde ich nicht antasten und zu entmystifizieren suchen.

Hingabe heißt in diesem Zusammenhang also, dass ich in meiner Liebe zum andern, mich ohne jegliche Sicherheit ihm öffne und mich somit verletzbar mache, mich uneingeschränkt auf ihn einlasse und ihm sogar erlaube, auf mich ungehindert einfluss zu nehmen. Echte Hingabe an einen Menschen ist also ohne Vertrauen nicht möglich.


Eine einzige Ausnahme gibt es dennoch mich jemandem hinzugeben, auch ohne mein Vertrauen als Voraussetzung -und die zudem auch völlig ungefährlich ist:
Nämlich, meine Hingabe an Gott!









Lieben heißt, sich hinzugeben,
von sich selbst zu lassen und,
sich fallen zu lassen.
(Anselm Grün)




Wo zwei Menschen alles voneinander wissen, wird das Geheimnis Ihrer Liebe zwischen ihnen unendlich groß.
Das Wissen hebt das Geheimnis nicht auf, sondern vertieft es. Dass der Andere mir so nahe ist,
das ist das größte Geheimnis.

(Dietrich Bonhoeffer)

 

Der Liebende gibt sich dem anderen,
der Verliebte nimmt sich den anderen.
(Johann Jakob Moser)

 

Was du liebst, lass frei.
Kommt es zurück,
gehört es dir für immer.
(Konfuzius)

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank für das Bild "Annahme und Hingabe":
© Gerd Altmann  / pixelio.de




 



Oktober 2017:


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