Böcke und Schafe





Weg der Entscheidung
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Wenn wir über den christlichen Glauben sprechen, stellt sich auch oft die Frage, wie Gott mit Menschen umgeht, wenn diese – warum auch immer – nicht an ihn glauben. Haben diese keine Chance „Selig“ zu werden, so wie es in vielen anderen Religionen gesagt wird? Es gibt ja Menschen, die zum Beispiel so viele negative Erfahrungen gemacht haben, dass sie nicht mehr an das Gute glauben können. Oder Menschen, die nie etwas „verständliches“ über den Glauben gehört haben. Und Menschen welche in anderen Kulturen leben, kennen ja ebenfalls nur ihre eigene Religion. Christus gab uns ein Gleichnis auf genau diese Frage:


 

"Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit
und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron
seiner Herrlichkeit, und alle Völker
werden vor ihm versammelt werden.

Und er wird sie voneinander scheiden,
wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten:
Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich,
das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.
Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht.
Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.




Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen?
Oder nackt und haben dich gekleidet?
Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
und sind zu dir gekommen?

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen:
Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.




Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken:
Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer,
das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet.
Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.

Dann werden auch sie antworten und sagen:
Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen
oder als Fremden oder nackt oder krank
oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?

Dann wird er ihnen antworten und sagen:
Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt
einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.




Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe,
aber die Gerechten in das ewige Leben."

(Mt. 25,31-46)



 

Ich hoffe, Ihr habt es durchschaut was Christus mit diesem Bild sagen möchte: Es kommt darauf an, wie wir in unserem Leben mit Menschen umgegangen sind, unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Kultur. Ein Mensch, der von Christus nie etwas gehört hat, kann vor Gott also genauso als „Gerechter“ angesehen werden – wie ein tief gläubiger Mensch.


Es gilt immer: Gebe ich in meinem Leben den Hungrigen etwas zu essen? Gebe ich einem Durstigen zu trinken? Es versteht sich von selbst, das dies Metaphern sind: Zum Beispiel kann „einem Hungrigen Speise zu geben“ für Lehrer bedeuten, dass sie Ihre Schüler unterstützen und fördern. Oder das jemand einem Fremden, der eine Autopanne hat, hilft. Aber auch einen Obdachlosen als einen „vollwertigen“ Menschen anzusehen, der die gleiche Menschenwürde hat wie jeder andere, gehört dazu.







 

Wen oder was straft Gott?


Vielleicht ist es Euch auch aufgefallen, dass Christus mit den Menschen welche nicht seinen Geboten folgen, recht „streng“ spricht: “Geht weg von mir Ihr Verfluchten, in das ewige Feuer“. Hier kommen wir zu der Frage über „Gottes Zorn“: Man könnte Angst bekommen, von Gott bestraft zu werden. Ist Gott jetzt doch ein „böser“ und „zorniger“ Gott? Viele Christen fühlen sich an solchen Stellen in der Bibel verunsichert. Und im Mittelalter verbreitete die Kirche Angst und Schrecken mit der Androhung der „Hölle und des Fegefeuers“.

 

Zunächst, das Wort Hölle meint in Wirklichkeit keineswegs einen Ort
mit endlosen Qualen, sondern im ursprünglichen Sinne: „ewiger Tod“.

 

Gehen wir aber nun noch mal einen Schritt zurück: Im Kapitel „Der Ruf Gottes“, haben wir die Seligpreisungen schon wieder vergessen? Und Christi Liebe, trotz unserer „Sündhaftigkeit“? Wie kann Christus einerseits zu den Sündern gehen, und sagen: „Ich bin gekommen um die Sünder zu erlösen“, wenn er an anderer Stelle die Sünder verflucht und ins ewige Feuer wirft?


Wir verstehen Gott nur richtig, wenn wir diese verschiedenen Aussagen gemeinsam „unter einen Hut“ bringen. Denn nur wenn wir außer Acht lassen, dass Christus sagte „Ich bin gekommen um die Sünder zu erlösen“, können wir an einen „zornigen“ Gott glauben.


In der Bibel steht sehr oft der Satz „Wer Ohren hat, der höre“ oder: „Hier ist Verstand“. Dies sind Hinweise an uns Leser, dass wir mitdenken sollen, um die Botschaft richtig zu verstehen. Also, warum könnte Christus, wenn er uns Menschen liebt, trotzdem solch „bedrohliche Strafen“ angekündigt haben?



 

Für mich ist es offensichtlich, dass Christus
solche Sätze absichtlich genau so gesagt hat, um:


Eindeutig die Grenze zwischen „liebendem“ und „unliebendem“ Verhalten zu ziehen.
Unmissverständlich aufzuzeigen, welches Verhalten von Gott gewünscht wird.
Uneinsichtigen Menschen klar zu machen, dass Ihr Verhalten nicht gut ist.
Zu verhindern, das sich jemand aus seiner Verantwortung stehlen kann.

Den Gläubigen zu ermahnen, wachsam zu bleiben -
und sein eigenes Verhalten immer wieder zu überprüfen.




Ich finde daher solche „Drohungen“ gar nicht verkehrt, denn Christus stellt sich mit solchen Aussagen unmissverständlich auf die Seite „des Schwachen und Gerechten“ und sagt: Du bist im Recht und Dein Peiniger ist derjenige, der in den „Feuerpfuhl“ geworfen wird. Christus schimpft nur mit den Menschen, die sich andern gegenüber ungerecht Verhalten, und keine Einsicht zeigen. Im schlimmsten Fall reagieren solche Menschen auch noch böse, wenn sie auf ein Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden.





Um den Unterschied noch einmal deutlich hervorzuheben:
 

  • Menschen welche z.B. sich streng, unliebend oder auf sonst eine Weise gewissenlos verhalten und  keine Einsicht zeigen, die fallen in der Tat unter „Gottes Zorn“. Sie bekommen aber dennoch ihr ganzes Leben lang Zeit, eventuell doch noch zu einer Einsicht zu gelangen. Manche brauchen längere Zeit und Umwege, um zur Erkenntnis zu kommen.
    Manch einer verliert zum Beispiel im Laufe seines Lebens alles, und selbst seine Familie will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Erst dann erkennt dieser vielleicht, worauf es im Leben wirklich ankommt. Oder ein anderer, welcher in seinem Leben beruflich sehr erfolgreich ist und Reichtum besitzt, sich aber inwendig trotzdem unbefriedigt fühlt und eine permanent tiefe Leere empfindet, welche nicht mit materiellen Diungen zu füllen ist. Vielleicht merkt er eines Tages doch, dass es auf das gemeinsame menschliche Miteinander ankommt.



     
  • Gottes „Strafe“ ist aber keine Strafe wie wir sie üblicherweise definieren. Wenn zum Beispiel eine Mutter ihrem Kind sagt, das es nicht mit dem Feuer spielen soll, und es tut es doch - und verbrennt sich – ist dies dann eine Strafe? Nein, denn es hat sich zwangsläufig so ergeben, da das Kind auf die Ermahnung ja nicht hören wollte. Und genauso ist es auch mit Gottes Strafe: Wer auf Gottes wohlwollenden Rat nicht hören möchte, trägt selbst die Verantwortung dafür, wenn er eines Tages nicht ins Paradies gelassen werden kann. Schließlich soll das Paradies ja ein friedlicher Ort sein, daher können dort - verständlicher Weise - keine Menschen leben, die z.B.  uneinsichtig sind.


     
  • Menschen hingegen, welche aus einer Schwäche heraus "ungut" handeln, dieses aber „zugeben“, und denen es aufrichtig leid tut, zu denen sagt Christus: „Dir ist Vergeben, geh hin und sündige hinfort nicht mehr“. Sobald wir Einsicht zeigen, wird uns Vergeben - und Gott schenkt uns seine Gnade und seine ganze Geduld. Die Einsicht ist nämlich der beste „Lehrmeister“ für unser Gewissen, um an uns selbst "zu Arbeiten". Somit kann es uns in Zukunft zum Beispiel besser gelingen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Und Gott weiß, dass wir für unser Wachstum Zeit brauchen.




    Es kommt also an erster Stelle auf unsere innere Haltung,
    unsere Einstellung an.

    Wenn diese stimmt, erfahren wir trotz
    unserer Schwächen, Gottes Gnade und Vergebung!

    Außerdem dürfen wir immer auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit hoffen, denn diese ist laut Jesus so groß wie "von einem Ende der Welt bis zum Anderen".

     





     




Vielen herzlichen Dank, liebe Tanja, für das anschauliche Spruchbild!








Man sieht besser
in einer schwarzen Nacht
auf einem schwarzen Stein
einen schwarzen Käfer
als den eigenen Hochmut im eigenen Herzen.
(Arabisches Sprichwort)

 

Wir sind schnell bereit, uns selbst zu tadeln,
unter der Bedingung, dass niemand einstimmt.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

 

Für die meisten Menschen ist es schwieriger,
törichte Gedanken zu verschweigen als kluge auszusprechen.
(Kumar)

 

Das Leben gleicht einem Buch:
Toren durchblättern es flüchtig,
der Weise liest es mit Bedacht, weil er weiß,
daß er es nur einmal lesen kann.
(Jean Paul)

 

Niemand leugnet Gott als jener,
dem es lieber wäre, wenn es keinen gäbe.
(Aurelius Augustinus von Hippo)

 

Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen,
die man sich selbst verheimlichen wollte.
(Unbekannt)

 

Das nicht mehr lieben können ist die Hölle auf Erden.
(Siegmund Freud)

 

Alles Übel kommt von den Hungrigen oder den Satten.
(Mahatma Gandhi)

 

"Man kann nicht allen helfen", sagt der Engherzige und -
hilft keinem.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

 

Wer du bist, zeigst du am besten dadurch,
wie du den Widerspruch erträgst.
(Kreiten)

 

Es gehört zu den erstaunlichsten, aber zugleich unwiderleglichsten Erfahrungen,
dass das Böse sich – oft in einer überraschend kurzen Frist –
als dumm und unzweckmäßig erweist.
(Dietrich Bonhoeffer)



Eines Tages werden wir alle vor Gott stehen und er wird zu uns sagen:
"An keines meiner Gebote habt ihr euch gehalten, bis auf eines:
Macht euch die Erde untertan!"
(Eugen Drewermann)




Böse Augen und böses Gewissen
können das Licht nicht leiden.
(Unbekannt)

 

Die Jungen werfen zum Spaß mit Steinen auf Frösche.
Die Frösche sterben im Ernst.
(Erich Fried)


 

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir,
du bleibst doch ewiglich verloren.
(Angelus Silesius)

 

Sage im Gottesdienst nicht "Vater" zu Gott,
wenn du dich den Rest der Woche
wie eine Waise verhältst.
(Unbekannt)

 

Wenn der Teufel deine Vergangenheit hochbringt,
so bringe seine Zukunft hoch.
(Unbekannt)

 

Gott selbst will eintreten in mein Haus,
in das ich mich oft eingeschlossen habe.
(Anselm Grün)



Nun hat aber die Gnade Gottes den Menschen, der sich auf die Vernunft stützt, erschaffen,
damit er in der Erkenntnis des Guten und Bösen Gerechtigkeit wirke und aus dieser Erkenntnis heraus
das Gute erstrebe und das Böse von sich werfe.
(Hildegard von Bingen)


 

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.
Die Toren verachten Weisheit und Zucht.
(Spr. 1,7)

 

 

 



 

 

Herzlichen Dank für die Abdruckgenehmigung aus der:
Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart







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Letzte Änderung: 29.07.2017 18:15:31


 

 

 

 



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